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Logan Adams

Ein Ausschnitt aus dem Roman "Du hast mich".



Blick ins Buch:


Savannah dreht sich zu ihm herum und grinst ihn frech an. Ihre braunen Augen strahlen und er kann nicht anders, als sich von ihrem Lächeln anstecken zu lassen. „Ich kann die Panik sogar in deinen Augen sehen“, zieht er sie auf. „Welche Panik? Ich weiß nicht, was du meinst.“ „Oh nein, jemand hat mich angefasst“, ahmt er ihre quiekende Stimme nach. Blitzschnell holt sie mit der Hand aus und schlägt ihm gegen den Oberarm. „Das stimmt nicht“, sagt sie prustend und ihre Nase kräuselt sich vor Lachen. Er mag sie wirklich. Savannah kann widersprüchlich und sprunghaft scheinen. Das macht sie aus. Sie sind Freunde und manchmal ist da noch ein bisschen mehr. Ein leichtes Kribbeln, wo keines sein sollte. Doch wenn er ehrlich ist, dann weiß er, egal wie sehr er sich gelegentlich nach ihr sehnt, dass es bei ihnen beiden nicht gut gehen würde. Nicht gut gehen könnte. Sie ist einfach nicht die Frau, nach der er sucht. Nicht die Frau, die an seine Seite passt. Sie beide haben einfach unterschiedliche Ziele und er ist nicht bereit seine für sie aufzugeben. Geschweige denn irgendetwas in der Art von ihr zu verlangen. Logan tritt noch einen Schritt von ihr weg und spürt zu spät, dass ihm sein Knie leicht zur Seite wegdreht. „Alles ok?“, hört er sie fragen, während er sein rechtes Kniegelenk vorsichtig beugt und streckt. „Ja, es ist alles gut. Ich habe mich nur vertreten. Passiert mir öfter.“ Genau genommen schon seit seiner Jugend. Er ist ein ambitionierter Fußballspieler gewesen und hat natürlich auch den Traum von der großen Fußballerkarriere gehabt. Allerdings nicht die Chance dazu. Viel zu jung hat er sich viel zu schwer verletzt und sein Traum ist wie eine große Seifenblase zerplatzt. Savannah und er setzen ihren Weg wieder gemeinsam fort. Nach zwei schwerwiegenden Operationen an beiden Knien, haben die Ärzte ihm gesagt, dass er nie wieder Sport auf diesem Niveau betreiben kann. Zumindest nicht, wenn ihm etwas daran liege, auch noch die nächsten Jahre laufen zu können. Denn das wäre der Preis gewesen, hätte er diesem Traum nicht den Laufpass gegeben. Logan sieht zu Savannah, deren Haare sich in alle Richtungen kräuseln. Er hat damals mit dem Fußballspielen aufgehört und nimmt sich auch heute noch beim Sport zurück. Damals ist er deswegen absolut frustriert gewesen und hat seine Wut darüber an nahezu jedem ausgelassen. Seine Wut über die Ungerechtigkeit des Lebens. Seine Wut über dieses blöde Foul in einem so unbedeutenden Spiel. Seine Wut über die Machtlosigkeit. Seine Wut auf alles und jeden. Heute weiß er, dass es Schlimmeres gibt. Mit vierzehn Jahren hat er diesen Weitblick noch nicht besessen. Das eigentliche Problem an der Sache ist vermutlich die Tatsache gewesen, dass man immer am meisten genau das möchte, was man nicht haben kann. Er sieht zu Savannah, die immer noch stumm neben ihm hergeht und die grauen Fußbodenfließen zu betrachten scheint.


Text © Sandra Gottwaldt

Video © Iris Lienert © Nina Kaufmann © Sara Kaufmann

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